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13.5.2014 - Wormser Zeitung

Tanz volkstümlich inszeniert

Maciej Wota interpretiert Chopin aus polnischer Sicht

Von Marta Thor

Einen „polnischen Chopin“ wünschten sich die Leiter der Chopin-Gesellschaft Rheinland-Pfalz, Gisela Ebling und Maciej Lukaszczyk. Das erklärte Ziel der Gesellschaft ist es, dem Publikum die Besonderheit und Schönheit des polnischen Komponisten Fryderyk Chopin näher zu bringen, was beim Konzert am Muttertag im Herrnsheimer Schloss mit dem jungen polnischen Nachwuchstalent Maciej Wota spielend einfach gelang.

Rund 100 Zuhörer versammelte der „sympathische Pole“ im Blauen Saal, gefühlt jeder Zweite im Raum hatte einen polnischen Hintergrund. Wota beendet gerade sein Lizenziat am „Fryderyk Chopin Konservatorium“ in Warschau und will noch ein zweijähriges Magisterstudium anhängen. „Er steht noch ganz am Anfang seiner Karriere und dass es eine wird, davon bin ich überzeugt“, so Ebling. Beim zehnten Klavierwettbewerb in Darmstadt verpasste der talentierte Musiker nur ganz knapp das Finale und landete auf dem neunten Platz.

Eblings Herz hatte der „junge Pianist mit dem besonderen Chopinklang“ aber im Sturm erobert und so hatte die Chopin-Gesellschaft Wota zu einem Konzert nach Worms eingeladen. „Es ist nicht so selbstverständlich, dass den Worten auch Taten folgen“, sagt Wota, der derzeit viele Wettbewerbe besucht, um Erfahrungen zu sammeln. Mit Mozarts leichtgängiger Sonate in C-Dur, KV 330, spielte er sich mit fliegenden Fingern am Flügel ein. Die Harmoniefolgen und Verzierungen interpretierte er trotz hohen Tempos mit einer spielerischen Präzision, blieb aber an den richtigen Stellen kraftvoll lebendig oder verhalten bedächtig.

Vier Mazurken op. 24 von Chopin folgten der verspielten Sonate, und der junge Pianist bewies mit seinem Spiel, dass er das folkloristische Element hervorragend in die Stücke einzubringen vermag. Der polnische Volkstanz ist lebendig, voller chromatischer Tonfolgen und überraschender Wechsel in Tempo und Dynamik. Pointiert und beherzt arbeitete Wota mühelos die Folklore-Elemente des Tanzes heraus.

Die „polnische Interpretation“ sei zum einen die volkstümliche Inszenierung der stilisierten Tänze (zu denen sich Chopin selbst aber das Tanzen verbat), zum anderen die emotionale Seite und Menschlichkeit, die bei Chopins Kompositionen sehr intensiv durchlebt wird. „Verzückung, Leichtigkeit, Freude, Trauer und Leid, all das spielt in seinen Stücken eine große Rolle“, so Wota.

Chopins Ballade in g-moll, op 23 im zweiten und emotional aufreibenderen Teil des Konzerts ist solch ein eindrucksvolles Werk, das durch affektive Stilmittel die traumhaft schöne Melodie umspielt. Wota schaffte es die immer wieder, aufbrausende Verzweiflung und Bewegtheit der Ballade auch im Klang widerzuspiegeln. Zur bekannten Polonaise op. 53 in As-Dur lief Wota mit geradezu heldenhaftem Pathos zur Höchstform auf. Sie ist der „Inbegriff der polnischen Seele“, bemerkte eine Zuhörerin gerührt. Ebenso expressiv und mit Betonung auf dem lyrischen Element spielte Wota vier Etüden von Alexander Scriabin. Das Publikum dankte mit begeistertem Applaus, drei Zugaben folgten.

  Chopin Gesellschaft Rheinland-Pfalz