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18.11.2014 - Wormser Zeitung

Von Marta Thor

KLAVIERKONZERT
Polnischer Nachwuchskünstler Maciej Wota begeistert / Zukunft der Chopin-Gesellschaft scheint gesichert

So wie es geendet hatte, soll es auch wieder beginnen. Einen neuen Anfang für die Chopin-Gesellschaft Rheinland-Pfalz wünscht sich Gisela Ebling, nun alleinige Leiterin der Gesellschaft. Nach dem Tod von Maciej Lukaszczyk, der Anfang Juni im Alter von 80 Jahren in seiner Heimat Polen verstarb, soll die langjährige (seit 1992) künstlerische Arbeit wieder fortgesetzt werden.

Diesen Neubeginn markierte Ebling bedeutungsträchtig mit dem jungen polnischen Pianisten Maciej Wota. Bereits im Mai gastierte der 22-Jährige mit dem besonderen Händchen für einen „polnischen Chopin“ im Herrnsheimer Schloss. Dies war dann auch leider Lukaszczyks letztes Konzert. Im „Haus Ebling“, dem Wohnzimmer von Gisela Ebling, spielte Wota am Sonntagmorgen ein bewegendes Chopin-Recital, das die Anwesenden zutiefst an den verstorbenen Pianisten Lukaszczyk erinnerte.

Während sich über 40 Gäste einen Sitzplatz um den betagten Flügel ergatterten, zog ein feiner würziger Duft der polnischen Krautspeise Bigos durch den Raum. Ebling wählte ganz bewusst die intime Salon-Atmosphäre, um den Chopin-interessierten Gästen zu zeigen: „Es soll wieder vorwärtsgehen.“ Die letzten Monate seien eine sehr schwierige Zeit für sie gewesen, sagte Ebling, denn Lukaszczyk war auch 30 Jahre lang ihr Lebensgefährte. Umso mehr freute sich die 64-Jährige über Maciej Wotas erneuten Besuch.

Der bewies schon nach den ersten Tönen, weshalb er beim X. Internationalen Chopin-Wettbewerb der Chopin-Gesellschaft in Darmstadt im vorigen Jahr das musikalische Herz von Ebling und auch Lukaszczyk erobert hatte. Obwohl Wota damals nur ganz knapp die letzte Etappe des Wettbewerbs und damit eine hohe Platzierung verpasste, war den beiden schnell klar, dass hier ein ganz besonderes Talent schlummert.

Mit einem schwermütigen Beginn spielte sich der Jungmusiker kraftvoll in die vier Mazurkas, op. 33, ein. Durch Dynamik und Tempi, immer im Wechselspiel mit den kontrapunktisch gesetzten Themen, gelang Wota ein intensives und lebendiges Klangerlebnis. Für die majestätische Etüde in c-moll, op. 10 Nr. 12, die Wota in einem Wahnsinnstempo und einer bemerkenswert sauberen Fingertechnik präsentierte, erhielt er einen spontanen Zwischenapplaus.

Auch eine zweite Etüde meisterte er stark im Ausdruck und doch voller Gefühl. In der Nocturne cis-moll, op. 27 Nr. 1 entwickelte Wota eine großartige Dynamik und setzte die Stimmungswechsel, von sanfter Verhaltenheit bis zu pulsierender Lebendigkeit, in der Ballade g-moll op. 23 fort. „Ich habe dieses Klavier noch nie so gehört“, seufzte ein Zuschauer beeindruckt. Mit der Sonate in h-moll, op. 58 spielte Wota sich und das überwältigte Publikum in Trance. Unter zwei Zugaben ließen sie ihn nicht zum Bigos-Topf ziehen.

Für Wota beginnt mit diesem Auftritt auch eine neue Ära. Ebling will den jungen Profi unbedingt als künstlerischen Berater für die Chopin-Gesellschaft gewinnen. „Ich fühle mich sehr geehrt“, sagt Wota, der gute Kontakte in der Klassik-Szene mitbringt. Zuerst wolle er nun erst einmal Deutsch lernen, lacht der junge Pianist. Die Zukunft der Chopin-Gesellschaft Rheinland-Pfalz scheint also vorerst gesichert.

Foto: photoagenten/Alessandro Balzarin

Im Salon des Hauses Ebling brachte der Nachwuchspianist Maciej Wota den Flügel bei einem Chopin-Recital zum Klingen.

  Chopin Gesellschaft Rheinland-Pfalz