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8.4.2014 - Wormser Zeitung

Sven Bauer spielt Frühlingskonzert

Bild: photoagenten / Marta Thor

im Herrnsheimer Schloss in Worms

Von Marta Thor

Zum Auftakt der Konzertreihe der nun selbstständigen Chopin-Gesellschaft Rheinland-Pfalz spielte der Jungpianist Sven Bauer das Frühlingskonzert im Blauen Saal des Herrnsheimer Schlosses. Der brillante Nachwuchsmusiker, Jahrgang 1989, präsentierte ein anspruchsvolles Programm mit Werken von Scarlatti, Skrjabin, Schumann und Liszt. Seit März 2009 ist der mehrfach preisgekrönte Bauer Student der Meisterklasse von Lev Natochenny, und „das hört man“, wie eine Zuhörerin nach dem Konzert anerkennend bemerkte.

Mit einer Handvoll Sonaten von Domenico Scarlatti spielte Bauer sich und das Publikum warm. Bauer interpretierte die Sonaten kraftvoll in barocker Cembalo-Manier. Folgen, Motive und Verzierungen spielte er pointiert mit einem höchst präzisen Anschlag trotz häufiger Tempo- und Lautstärkenwechsel.

Mit Alexander Skrjabins Sonate Nr. 3, op. 23 in fis-moll, schlug Bauer dann eine völlig andere Stimmung und musikalische Richtung an. Während Scarlattis Sonaten auf einer wohlgeordneten Grundharmonik basieren, lässt sich Skrjabins dramatisches und komplexes Werk mit seiner Klangdichte nur durch bewusstes Hinhören erfassen. In vier Sätzen schweift die Grundstimmung von leidenschaftlicher Dramatik über ein leichtgängiges Allegretto hin zu einem romantisch verträumten Andante und findet in einem starken aufrührenden Maestoso einen Abschluss. Um ein solch vielschichtiges Stück einzustudieren, brauche er Monate, so Bauer. „Erst lässt man den Eindruck des Textes spontan auf sich wirken und lässt sich später bewusst darauf ein.“

Auch mit Robert Schumanns Humoreske in B-Dur, einem launigen, charakterlich stark kontrastierenden Stück der Romantik, zeigte Bauer, dass er sämtliche Facetten perfekt beherrscht. Höhepunkt des Konzerts war zweifellos Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 12 in cis-moll, die im Schwierigkeitsgrad in nichts hinten ansteht, dennoch ein gefälligeres und leichter zugängliches Stück ist. Bauers Finger flogen dabei über die Tasten, temperamentvoll und leidenschaftlich zeichnete er die Motive in all ihren Klangfarben nach.

Mit lang anhaltendem Applaus forderte das Publikum Zugaben und bekam neben dem träumerisch entrückten Préludes op. 57, Nr. 1 von Anatol Ljadow noch eine düstere, fast schon jazzige Kostprobe von Rodion Schtschedrins „Basso Ostinato“. Wieder bestach Bauer mit starker Akzentuierung und erzeugte eine hervorragende Spannung durch die Basslinie.

Träume habe er noch viele, sagte der junge Pianist, aber ein großer Wunsch sei es, mehr Probenzeit bei einem Auftritt mit einem renommierten Orchester zu erhalten. „Ich hätte gerne mehr Zeit für eine perfekte Interpretation,“ so Bauer.

Bild: photoagenten / Marta Thor

  Chopin Gesellschaft Rheinland-Pfalz