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Klaviermusik auf höchstem Niveau

Groß-Gerauer Echo

Von Barbara Weiler

In der vom verstorbenen Präsidenten der Chopin-Gesellschaft, Maciej Lukaszczyk, begründeten Reihe im Stadtmuseum gastierte der 1996 in Taschkent/Usbekistan geborene Pianist Nuron Mukumiy.

Der Pianist Nuron Mukumiy trat in seiner Heimat schon in jungen Jahren als Wunderkind auf. Er kam mit elf Jahren nach England, wo er seine Ausbildung fortsetzte, und studiert seit 2010 in der Meisterklasse von Lev Natochenny an der Frankfurter Musikhochschule. Jetzt gastierte er im Groß-Gerauer Stadtmuseum. Gisela Ebling, die die von Maciej Lukaszczyk begründete Konzertreihe mit jungen begabten Klavierkünstlern fortsetzt, ist es gelungen, den mittlerweile gefragten und schon mit vielen Preisen bedachten Pianisten in die Kreisstadt zu holen.

Foto: Alexander Heimann

Nuron Mukumiy begeisterte mit seinen Interpretationen das Publikum im Museum.

Nuron Mukumiy bot dort ein ungewöhnliches Programm. Die Bravourstücke, mit denen in der Regel die Konzerte enden, standen diesmal im ersten Teil des Programms und bildeten den Kontrast zum zweiten Teil mit der letzten Klaviersonate (op. 111) von Ludwig van Beethoven, die von besonderer Tiefgründigkeit geprägt ist. Damit hat sich Mukumiy den hohen Anspruch gesetzt, das Publikum nicht nur mit hochvirtuosen Stücken einzunehmen, sondern auch mit seiner musikalischen Interpretation höchst anspruchsvoller Werke. Dies ist ihm in faszinierendem Maße gelungen.
Nach der einleitenden Sonate von Domenico Scarlatti ließ die Gestaltung des virtuosen Scherzos b-moll von Fryderyk Chopin aufhorchen, nach dessen Vortrag das Publikum lang applaudierte. Mukumiys Spiel ist nicht nur technisch souverän und von großer Klarheit, sondern auch von Facettenreichtum im Klang und Ausdruck getragen. Er verfügt über einen warmen singenden Ton, spielt aber an den entsprechenden Stellen auch mit großer Kraft energisch zupackend. In diesem Sinne folgten noch die Rhapsodie Espagnole von Franz Liszt, eine Etüde von Alexander Skriabin und die Caprice Espagnol von Moritz Moszkowski.
Den zweiten Teil des Abends leitete Nuron Mukumiy mit einem tiefgründig melancholischen Nocturne von Peter Tschaikowsky ein, sozusagen als Überleitung zu dem Höhepunkt des Abends, der letzten Sonate von Beethoven. Diese hat im Unterschied zu den meisten anderen Sonaten nur zwei Sätze, einen schnellen, dem noch eine langsame Einleitung vorausgestellt ist, und einen langsamen Satz.
Letzterer beginnt mit einer Arietta, einer schlichten getragenen Melodie, die im weiteren Verlauf über die Dauer von rund 20 Minuten variiert wird. Während das Hauptthema des ersten Satzes einen schroffen, kantigen Charakter hat, wirkt der zweite Satz im Ausdruck wie entrückt. Nuron Mukumiy gelang es, die gegensätzlichen Charaktere überzeugend herauszuarbeiten, und schaffte es, dem selten gespielten, weil interpretatorisch schwierigen Werk große Spannung zu geben und das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Viele konnten nicht glauben, dass ein Achtzehnjähriger schon zu solchen Leitungen fähig ist.
Mit einer im Charakter hellen und lichten Scarlatti-Sonate als Zugabe schloss Nuron Mukumiy den Bogen zur Einleitung. Die Zuhörer verließen das Museum in dem Gefühl, ein besonderes Konzert erlebt zu haben.

  Chopin Gesellschaft Rheinland-Pfalz