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Wormser Zeitung vom 2.3.2015

Von Sophia Rishyna

Der „Blaue Salon“ im Herrnsheimer Schloss war mit vielen Liebhabern von exzellenter Klaviermusik gefüllt, die sich am Sonntag die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten, eine der vielversprechendsten deutschen Pianistinnen kennenzulernen: Julia Rinderle, die bereits 2003 mit 13 Jahren den ersten Preis beim Steinway-Wettbewerb in München gewann, führte diese Erfolgsserie in den vergangenen Jahren fort und studiert derzeit an der Musikhochschule Hannover als Stipendiatin des begehrten „Deutschland-Stipendiums“. Die Chopin-Gesellschaft Rheinland-Pfalz hatte das junge Talent nun zu einer Klavier-Matinee eingeladen, bei der Rinderle ein beeindruckendes Programm bot, das sie komplett aus dem Gedächtnis spielte.

Drei Sonaten von Domenico Scarlatti, der mit seinen Kompositionen eine Brücke zwischen Barock und Klassik schuf, bekam man in bravouröser Weise zu hören. Schon nach diesen ersten Stücken erntete Rinderle tosenden Applaus von ihrem begeisterten Publikum. Nach diesem beschwingten Auftakt wurde es sehr schwermütig, und die Interpretin wagte sich an die „Schwelle zwischen Diesseits und Jenseits“ mit dem vierten Teil von Robert Schumanns „Geistervariationen“. Nach der Komposition dieses Werkes, das er unter dem Einfluss von ihn kontrollierenden Geisterstimmen schrieb, unternahm Schumann einen Selbstmordversuch mit einem Sturz in den Rhein. Wie nah Genie und Wahnsinn beieinanderliegen, beschrieb Rinderle auch am Beispiel von Alexander Skrjabin: Der virtuose russische Pianist und Komponist sah sich als „Messias der Revolutionierung der Musik“. Als Synästhetiker nahm er gleichzeitig zu jedem Ton auch eine Farbe wahr und wollte eine Farbinstallation zu seinen Stücken gestalten. Für ihr Spiel der Sonate Nr. 4 Fis-Dur, op. 30 wurde Rinderle zu Recht mit vielen „Bravo!“-Rufen belohnt.

Foto: photoagenten/Alessandro Balzarin

Sie bot ein beeindruckendes Programm, das sie komplett aus dem Gedächtnis spielte: Julia Rinderle. Das Ausnahmetalent studiert an der Musikhochschule Hannover.


Der Name war Programm bei Sergej Prokofjew Sarcasmes, die mal schrill und schräg, mal leise stechend ihrer Kritik freien Lauf ließen. Zum Konzert einer Chopin-Gesellschaft gehörten natürlich auch Werke des Meisters selbst: Die Fantasie in f-Moll vereinte Elemente eines Trauermarsches mit Leidenschaft und einem sakralen Mittelteil, während die berühmte Grande Polonaise in As-Dur viele im Publikum zum Weinen brachte, da sie auf der Beerdigung von Maciej Lukaszczyk, Gründer der ersten deutschen Chopin-Gesellschaft und Lebensgefährte von Konzertveranstalterin Gisela Ebling, zu hören gewesen war.

Mit einem hübschen Blumenpräsent und nicht enden wollendem Applaus bedankte sich das Publikum bei Julia Rinderle für ihr außerordentliches Spiel und wurde prompt mit einer Zugabe aus der Feder von Sergej Rachmaninow belohnt.

  Chopin Gesellschaft Rheinland-Pfalz