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27.3.2014 - Wormser Zeitung

von Susanne Müller

Seit 1970 gibt es die Chopin-Gesellschaft. Sie wurde gegründet, als es weder Verträge noch einen offiziellen Kulturaustausch zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen gab. Die Gesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den kulturellen Brückenschlag nach Polen über die Musik Chopins zu erreichen, wurde in Deutschland von Maciej Lukaszczyk ins Leben gerufen. Seither war der polnische Pianist Präsident der kulturellen Einrichtung – erst jetzt, mit seinem 80. Geburtstag, den er vor wenigen Tagen feiern konnte, legte er sein Amt nieder.

Maciej Lukaszczyk bleibt der Gesellschaft aber verbunden, wird weiter aktiv den Gedanken der Völkerverständigung und der Förderung der polnischen Kunst und Kultur voranbringen: Der Pianist ist Lebensgefährte von Gisela Ebling, die 1992 in Worms die rheinland-pfälzische Sektion der Chopin-Gesellschaft ins Leben gerufen hat und seither hier aktiver Motor ist.

„Maciej Lukaszczyk wird in Zukunft der künstlerische Leiter unserer Gesellschaft hier in Worms sein“, sagt Gisela Ebling, „dadurch bieten sich für die Zukunft mehr Konzertmöglichkeiten nicht nur in Worms.“ Lukaszczyk selbst sieht Chopin als aktuell, als einen Komponisten an, den es immer wieder neu zu entdecken gilt: „Es gibt immer neue Aufgaben, die ich gerne annehme.“ Zu jeder Zeit und in jedem Lebensalter könnten andere Werte in Chopins Musik gefunden werden. Er wolle versuchen, so sagt er, für Worms eventuell auch Meisterkurse zu etablieren, einen Chopin-Wettbewerb durchzuführen jedoch, wie er regelmäßig in Darmstadt stattfindet, erachtet er als schwierig.

Chopin in Deutschland in ein anderes Licht zu rücken, sei sein Ansatz gewesen, schildert er seine Beweggründe, 1970 in Darmstadt die erste Chopin-Gesellschaft auf deutschem Boden zu gründen. Vor 44 Jahren lag Polen noch hinter dem Eisernen Vorhang: „Was die polnische Kultur anbelangte, herrschte in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eine große Unkenntnis“, besonders befremdet habe ihn der vorurteilsbehaftete Blick auf Frédéric Chopin.

Lukaszczyk, der 1964 aus der Polnischen Volksrepublik nach Wien emigriert ist, lebt seit 1966 in Darmstadt. Er sei zu Chopin über seine Eltern gekommen, berichtet er. Schon als Siebenjähriger habe ihn der Klang seiner Werke fasziniert, er erhielt wie sein Zwillingsbruder, der im Vorjahr verstorben ist, Klavierunterricht. Die Brüder wurden Musiker, Maciej Lukaszczyk studierte in Warschau und Wien, war Korrepetitor am damaligen Landestheater Darmstadt. Aber er wollte ungebunden sein, kündigte und widmete sich schließlich nur noch seinen Konzerten und seiner pädagogischen Tätigkeit.

Um seine Person bildete sich bald ein Anhängerkreis, aus dem heraus die „Chopin-Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland“ entstand. Offiziell gegründet wurde sie am 1. September 1970, in Erinnerung an den Tag des deutschen Überfalls auf Polen im Jahr 1939. Er konnte renommierte Chopin-Spezialisten nach Darmstadt holen, seit 1983 gibt es außerdem Meisterkurse und den Darmstädter Chopin-Klavierwettbewerb.

Maciej Lukaszczyk, der eigene Konzerte absolvierte und vielfach auch mit seinem Bruder auftrat, wurde geehrt mit dem Bundesverdienstkreuz, 1999 mit dem Verdienstorden der Republik Polen. „Ich werde demnächst eine Chopin-CD aufnehmen, die meinem kürzlich verstorbenen Bruder gewidmet sein soll“, sagt der Künstler.

In Worms will er sich verstärkt in die künstlerische Planung einbringen – „das hat er bisher auch schon getan, aus der Distanz heraus, er hat mich stets beraten“, sagt Gisela Ebling. Sie selbst, die bislang in Worms die Aufgaben alleine und auch in eigener finanzieller Verantwortung gestemmt hat, überlegt nun, sich außerdem weitere Mitstreiter an die Seite zu holen: „Interessenten gibt es schon, denkbar wäre es für mich, etwa eine Interessengemeinschaft zu gründen“, blickt sie in die Zukunft der Wormser Chopin-Gesellschaft.

  Chopin Gesellschaft Rheinland-Pfalz